Am 24.1.26 veranstaltete das „Netzwerk gegen Femizide“ eine Kundgebung am Weißen Turm in Nürnberg vor dem Brunnen des „Ehekarussels“. Verantwortlich für die Aktion war Patricia Engelhardt, die im Herbst des Jahres 2025 diese Initiative gründete.
Es wurden verschiedene Redebeiträge von Einrichtungen (u.a. Sisters e.V., Frauenberatung Nürnberg) gehalten, eine Betroffene kam zu Wort, deren Tochter Annie im Alter von 19 Jahren im Jahr 2023 durch ihren Partner zu Tode kam und auch der WEISSE RING nahm Stellung zu dem Thema.
Bild: Yassin-Salomo
Femizide sind Morde, die durch Partner oder Ex-Partner an Frauen verübt werden. Meist liegt eine Trennungssituation zugrunde, mit der der Partner nicht umgehen kann. Er betrachtet die Frau als sein Eigentum und gönnt sie keinem anderen, wenn er sie schon nicht besitzen kann.
Diese Haltung entspringt den Grundsätzen einer patriarchalen Gesellschaft, die die Frau den Ansprüchen des Mannes unterordnet.
Leider handelt es sich hier um keine Einzelfälle, sondern an jedem Tag im Jahr wird in Deutschland inzwischen eine Frau von ihrem Partner ermordet. Also eine strukturelle, geschlechtsbezogene Gewalt.
Der Femizid ist der Kulminationspunkt einer Spirale aus Kontrolle, psychischer und physischer Gewalt und könnte verhindert werden, wenn die Frau sich rechtzeitig Hilfe holt und besser vom Staat vor den Übergriffen des Partners geschützt würde. Ein Annäherung- und Kontaktverbot ist ein probates Mittel, hilft aber nur selten, da der Täter sich ohne große Konsequenzen darüber hinwegsetzen kann.
Nur die bundesweite Anwendung einer elektronischen Fußfessel könnte hier besser schützen. Dann erhielte nach dem spanischen Modell die Frau ein Signal, wenn sich der Täter nähert und könnte mit dem Standort des Mannes sofort die Polizei einschalten. Da in Deutschland immer noch Vorbehalte wegen des Persönlichkeitsrechtes und der Freiheit des Individuums bestehen, wird diese Regelung nicht oder nur selten eingesetzt. Sehr zum Nachteil der bedrohten Frauen.
Der WEISSE RING setzte sich in den letzten Jahren immer wieder für die elektronische Fußfessel ein. In Spanien hat der Einsatz gute Erfolge gezeigt und die Anzahl der getöteten Frauen drastisch vermindert.